15. Oktober 2026 

Offener Brief an Gropiuswohnen Objekt GmbH & Co. KG

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Anwohnerinitiative „Hufeisern gegen Rechts”
hufeisern@posteo.de

An
Gropiuswohnen Objekt GmbH & Co. KG
Imbuschweg 41
12353 Berlin


Berlin, den 15.10.2026

Offener Brief

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir sind eine Anwohnerinitiative in der Britzer Hufeisensiedlung, die sich seit 15 Jahren um ein tolerantes und friedliches Zusammenleben der Bewohnerschaft bemüht. Anlass der Gründung waren von Gewalt geprägte Angriffe auf Personen und Einrichtungen aus politisch rechtsorientierten Kreisen, die das gesellschaftliche Klima in unserer Siedlung erheblich in Mitleidenschaft gezogen haben. Vor dem Hintergrund dieser leidvollen Erfahrung haben wir uns entschlossen, uns mit diesem offenen Brief an Sie zu wenden.
Ihre Entscheidung, dem AfD-Abgeordneten Robert Eschricht Räume zur Eröffnung eines AfD-Parteibüros zu vermieten, steht in diametralem Gegensatz zum öffentlich formulierten Selbstbild des Hausverwaltungsunternehmens „Gropiuswohnen”. Hier heißt es: „Die Zufriedenheit unserer Mieter hat für uns höchste Priorität.”
Und an anderer Stelle schreiben Sie: „Gropiuswohnen ist es wichtig, direkt vor Ort Projekte zu fördern und unterstützt beispielsweise von Beginn an das Projekt ‚ALBA macht Schule‘. Hier können Kita- und Schulkinder aus der Gropiusstadt unabhängig vom Geldbeutel und Engagement der Eltern Basketball spielen.”
Es sind aber gerade soziale und kulturelle Projekte, denen nach Auffassung der AfD die Gelder gestrichen werden sollen, da sie eine der deutschen Kultur und Geschichte fremde und schadende Ideologie und Praxis verfolgen. Damit richtet sich die Zielsetzung der AfD-Politik gegen „Gropiuswohnen” selbst.
Das gilt nicht nur für die sozialen Projekte, wie die Unterstützung von Einrichtungen zur Förderung von Menschen mit einkommensschwachen Haushalten oder Menschen mit Beeinträchtigungen. Gleiches gilt auch für kulturelle Institutionen, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft, verschiedenen Glaubens oder anderer Lebensentwürfe auf gleicher Augenhöhe zusammenfinden können. Im Gegensatz zu einem demokratischen Miteinander setzt die Berliner AfD auf Ausländer-raus-Politik, Law and Order und Disziplinierung an Schulen. Zugleich deutet die AfD die Wohnungskrise um, indem sie unermüdlich die unbelegte Behauptung aufstellt, Menschen mit migrantischen Wurzeln würden „normalen Berlinern” den Wohnraum wegnehmen. Entsprechend findet sich im AfD-Programm die Forderung, Wohnungen vorrangig an Deutsche zu vergeben.
Doch auch auf anderen Feldern von Kultur und Wohnen wird die Gropiusstadt und indirekt auch der Hausverwalter „Gropiuswohnen”, der sich zum städtebaulichen Konzept der Gropiusstadt bekennt, von der AfD diffamiert und angegriffen.
Wenn Gropiuswohnen auf ihre Unterstützung und Förderung des Bauhaus-Archivs hinweist, so erinnern wir daran, dass die AfD die Bauhaus-Bewegung als „Irrweg der Moderne”, als eine Ästhetik des „Globalismus” bezeichnet, wobei „der funktionale, ortsunabhängige architektonische Einheitsbrei” keinen Bezug zur nationalen Heimat aufkommen lasse und damit die deutsche Identität zerstöre.
Gerade der Abgeordnete Eschricht hat sich in der Vergangenheit im Berliner Abgeordnetenhaus entsprechend engagiert. So äußerte er in der Abgeordnetenhausdebatte um den Wiederaufbau der Bauakademie am 5.10.2023, dass er und die AfD-Fraktion eine dem Klimawandel Rechnung tragende Bauweise ablehne. „Eine politische Indienstnahme der Bauakademie für klimaideologische Zwecke muss verhindert werden.” Vielmehr forderte er eine originalgetreue Rekonstruktion des Schinkel-Baus, damit die Bauakademie „in ihrem eigenen Geiste deutscher Schaffenskraft” wirken könne. Im Ergebnis dieser Auseinandersetzung zeige sich, „wieviel Deutschland übrigbleibt.”
Diese Aussagen machen deutlich, dass die AfD sich gegen zeitgemäßes klimagerechtes Bauen und Sanieren positioniert und sich gegen die auf der Internetseite Ihrer Gesellschaft „Gropiuswohnen” formulierten Grundsätze modernen Wohnens wendet, auf der es u.a. heißt:
„Wichtig ist uns nicht nur die stetige Modernisierung der Gebäude mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz, sondern insbesondere auch ein Mieterservice, der die Bedürfnisse unserer Hausbewohner in den Vordergrund stellt.”
Mit diesem Versprechen für ihre Mieterinnen und Mieter, das auch auf das soziale Miteinander Bezug nimmt, ist die Eröffnung einer Propagandazentrale der AfD in einem Gebäude der „Gropiuswohnen” unvereinbar. Programm und Praxis der AfD stellen für das soziale Zusammenleben der Bewohnerschaft in dem von Ihrer Gesellschaft verwalteten Gebäudekomplex eine Bedrohung dar, die das gesamte soziale Leben betrifft.
Der vergangene Wahlkampf hat die Gefahr verdeutlicht, die von einem AfD-Versammlungsort für die in der Nachbarschaft lebenden Menschen ausgeht. Beispielhaft sei hier aus einem Bericht über eine AfD-Wahlveranstaltung in Berlin-Lichtenberg zitiert: „Brinker steht auf der Bühne, spricht über Regierungsversagen, Chaos, Kontrollverlust, erntet Jubel und Beifall. Es klatschen auch mehrere offensichtliche Neonazis, die zu der Kundgebung gekommen sind und hier ungestört zuhören: Tätowierungen zeigen Hakenkreuze und den Szenecode ‚88‘, ein Mann trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck ‚ENSDAPE‘. (…) Der Vorfall zeigt, wie weit rechts die AfD mobilisiert. Andere rechtsextreme Parteien wie die ‚Heimat‘ und der ‚Dritte Weg‘ haben in ihren ehemaligen Hochburgen längst keine Chance mehr.” (TAZ, 7.9.2026)
Die Erfahrung zeigt, dass Parteibüros der AfD Anziehungs- und Treffpunkte von Personen sind, die gegenüber Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln oder Anschauungen keine Toleranz an den Tag lehnen und in letzter Konsequenz ihre Vertreibung aus dem Kiez zum Ziel haben.

Aus den dargelegten Gründen erscheint es uns dringend geboten, angesichts der sozialen Verantwortung gegenüber Ihren Mieterinnen und Mietern Ihre Entscheidung rückgängig zu machen und der AfD die Ladenräume im Gebäude Hugo-Heimann-Str. 37 zu kündigen.

Mit besten Grüßen
Britzer Anwohnerinitiative Hufeisern gegen Rechts

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